Hexacopter
Du baust oder fliegst einen Multikopter mit sechs Motoren? Hier geht es um Kameraflug, Nutzlast, Antrieb, Stromversorgung und Fehlersuche.
Passend dazu: Quadrocopter · Octocopter · Flight Controls | Im RC-Glossar: Außenläufer-Motoren · 6S-Akku
Hexacopter bauen und fliegen für Kamera und Nutzlast

Kurz gesagt: Hier geht es um Multikopter mit sechs Motoren – meist als ruhige Kameraplattform mit Gimbal oder als Lastenträger. Du bekommst Hilfe bei Planung und Aufbau, Antrieb und Stromversorgung, Flight Controller und Fehlersuche.
- Was ist ein Hexacopter?
- Antrieb und Stromversorgung richtig planen
- Einstieg: Planung, Flight Controller, Erstflug
- Typische Probleme und wie du sie löst
- So bekommst du hier schnell gute Antworten
- Häufige Fragen
Was ist ein Hexacopter?
Ein Hexacopter ist ein Multikopter mit sechs Motoren und Propellern, die meist gleichmäßig auf sechs Armen um das Zentrum verteilt sind. Im Vergleich zum Quadrocopter bringt er mehr Schub und kann schwerere Lasten tragen; je nach Auslegung hat er außerdem Reserven, wenn ein Motor ausfällt.
Deshalb ist der Hexa vor allem als Kameraträger beliebt: Mit Gimbal und größerer Kamera fliegt er ruhiger als ein kleiner Quadro, weil Masse und Propellerfläche größer sind und Böen ihn weniger leicht aus der Ruhe bringen. Wem auch sechs Motoren nicht reichen, der landet beim Octocopter.
Neben der klassischen Bauform mit sechs Armen gibt es den Y6, bei dem an drei Armen je zwei Motoren übereinander sitzen. Er ist kompakter, die unteren Propeller arbeiten aber im Abwind der oberen und damit etwas weniger effizient.
Im Forum dreht sich vieles um Selbstbau-Projekte von der ersten Planung bis zum Erstflug, um die Wahl des passenden Flight-Control-Boards und um Hexas, die gezielt zum Filmen aufgebaut oder umgerüstet werden.
Antrieb und Stromversorgung richtig planen
Ein effizienter Hexacopter fliegt mit großen, langsam drehenden Propellern an Außenläufern mit niedrigem KV-Wert. Der KV-Wert gibt an, wie viele Umdrehungen pro Minute ein Motor je Volt ohne Last macht – niedrige Werte passen zu großen Propellern und höherer Spannung. So entsteht viel Schub pro Watt, und das merkst du direkt an der Flugzeit.
Als Akku kommen meist LiPos mit 4S bis 6S und hoher Kapazität zum Einsatz. Ein 6S-Akku liefert dieselbe Leistung bei geringerem Strom als ein 4S-Pack, was Kabel, Stecker und Regler entlastet. Motoren, Propeller, Regler und Zellenzahl müssen aber zusammenpassen; Grundlage jeder Auslegung sind die Herstellerangaben zu Motor und Propeller.
Die Stromversorgung verdient eine saubere Planung. Eine Verteilerplatine verteilt den Akkustrom auf die sechs Regler, und die Kabelquerschnitte müssen zum Strom passen. Empfänger, Gimbal und Videosender versorgst du am besten über ein separates UBEC, damit Spannungseinbrüche und Störungen aus dem Antrieb nicht auf die empfindliche Elektronik durchschlagen.
Die Flugzeit hängt stark vom Gesamtgewicht, der Akkukapazität und dem Wirkungsgrad der Propeller ab. Mehr Kapazität bedeutet auch mehr Gewicht – ab einem gewissen Punkt bringt ein größerer Akku kaum noch zusätzliche Minuten. Rechne deshalb vor dem Kauf mit Abfluggewicht und Schub, statt einfach den größten Akku zu nehmen.
Einstieg: Planung, Flight Controller, Erstflug
Am Anfang steht die Frage, was der Hexa tragen soll: Das Gewicht von Kamera und Gimbal bestimmt Rahmengröße, Propeller und Antrieb. Als Faustregel sollte der Gesamtschub aller Motoren deutlich über dem Abfluggewicht liegen, häufig wird etwa das Doppelte angestrebt – so bleibt genug Reserve für Wind und Manöver.
Beim Flight Controller entscheidet der Einsatzzweck. Für Kameraflüge sind GPS-Funktionen wie Position halten und Rückkehr zum Startpunkt hilfreich, wie sie etwa ArduPilot und INAV bieten. Ältere Systeme wie DJI Naza, APM oder MultiWii stecken noch in vielen bestehenden Hexas und haben im Bereich Flight Controls eigene Unterforen.
Nach dem Zusammenbau prüfst du ohne Propeller Motorreihenfolge und Drehrichtung, kalibrierst Beschleunigungssensor und Kompass und richtest Flugmodi und Failsafe ein. Den ersten Schwebeflug machst du auf freiem Gelände in geringer Höhe, am besten noch ohne Kamera und Gimbal, bis der Kopter sauber in der Luft steht.
Bevor du draußen fliegst, informier dich über die aktuellen Regeln: Haftpflichtversicherung, Registrierung und Kompetenznachweis hängen unter anderem vom Gewicht des Kopters ab. Den aktuellen Stand erfährst du beim Luftfahrt-Bundesamt oder deinem Modellflugverband.
Typische Probleme und wie du sie löst
Ein unruhiges Flugbild oder Wackeln im Video geht meist auf Vibrationen zurück. Gewuchtete Propeller, festgezogene Rahmenschrauben, ein gedämpft gelagerter Flight Controller und eine entkoppelte Gimbal-Aufhängung bringen hier am meisten. Schwingt der Kopter sichtbar hin und her, sind die PID-Werte im Flight Controller oft zu hoch.
Driftet der Hexa im Schwebeflug, hilft eine neue Kalibrierung des Beschleunigungssensors auf ebener Fläche. Zieht er im GPS-Modus Kreise oder fliegt in die falsche Richtung, ist häufig der Kompass gestört – montier ihn möglichst weit weg von Verteilerplatine und Akkukabeln, oft auf einem kleinen Mast.
Fällt ein Motor oder Regler aus, kann ein Hexa je nach Schubreserve und Flight Controller noch fliegen, beginnt aber oft, sich um die Hochachse zu drehen. Nimm dann nicht abrupt das Gas weg, sondern lande zügig und kontrolliert an einer freien Stelle. Verlassen solltest du dich auf diese Reserve nie.
Spannungsprobleme zeigen sich durch flackerndes Videobild, Aussetzer am Gimbal oder Neustarts des Empfängers bei Vollgas. Prüf dann Kabelquerschnitte, Lötstellen und Stecker und kontrollier, ob das UBEC unter Last genug Strom liefert.
So bekommst du hier schnell gute Antworten
Nenne in deiner Frage Rahmen und Achsabstand, Motoren mit KV-Wert, Propeller, Regler, Akku mit Zellenzahl und Kapazität, das Abfluggewicht sowie Flight Controller und Firmware-Version. Beschreib genau, wann das Problem auftritt, und häng Fotos vom Aufbau oder die Logdateien an, falls dein Flight Controller welche schreibt.
Allgemeine Fragen zu Multikoptern, Zubehör und Flugbetrieb sind im übergeordneten Forum Multikopter RC gut aufgehoben. Geht es nur um die Einstellung einer bestimmten Flugsteuerung, stellst du die Frage am besten direkt in deren Unterforum bei den Flight Controls.
Praxistipps
- Markier Arme und Propeller farbig nach Drehrichtung, dann vertauschst du beim Propellerwechsel nichts.
- Zieh nach den ersten Flügen alle Schrauben an Motoren und Armen nach, denn Vibrationen lockern sie gern.
- Arbeite vor jedem Start eine kurze Checkliste ab: Propeller fest, Akku gesichert, GPS-Empfang vorhanden, Failsafe eingestellt.
- Lade LiPos nur mit Balancer und nie unbeaufsichtigt, transportiere große Packs im LiPo-Bag und lagere sie bei etwa 3,8 V pro Zelle.
- Wiege deinen Hexa flugfertig mit Kamera und Akku, bevor du Antriebsteile nachkaufst – das Abfluggewicht ist die wichtigste Zahl der Auslegung.
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Häufige Fragen
Wann lohnt sich ein Hexacopter statt eines Quadrocopters?
Wenn du eine schwerere Kamera mit Gimbal oder andere Nutzlasten tragen willst und ein ruhiges Flugbild wichtig ist. Sechs Motoren liefern mehr Schub und je nach Auslegung Reserven bei einem Motorausfall. Dafür ist ein Hexa größer, schwerer und teurer als ein vergleichbarer Quadro.
Kann ein Hexacopter mit einem defekten Motor noch landen?
Oft ja, garantiert ist es aber nicht. Ob es klappt, hängt von Schubreserve, Gewicht, Flight Controller und der Lage des ausgefallenen Motors ab. Plane deshalb jeden Flug so, als gäbe es diese Reserve nicht, und flieg nie über Menschen.
Welcher Akku passt zu meinem Hexacopter?
Meist ein LiPo mit 4S bis 6S, passend zu Motoren und Propellern – die Zellenzahl gibt der Antrieb vor, nicht umgekehrt. Bei der Kapazität gilt: Mehr Akku bedeutet auch mehr Gewicht, und irgendwann bringt er kaum noch Flugzeit. Achte außerdem darauf, dass der Akku den nötigen Strom dauerhaft liefern kann.
Was ist ein Y6?
Ein Y6 ist ein Hexacopter mit nur drei Armen, an denen je zwei Motoren übereinander sitzen. Er ist kompakter als ein klassischer Hexa mit sechs Armen. Weil die unteren Propeller im Abwind der oberen laufen, ist er aber etwas weniger effizient.